UNENDLICHKEIT

Es geht voran... mehr als 6400km liegen hinter uns. Das ADVENTURE UNLIMITED ist in Bewegung und jeder Tag ist wieder eine Premiere: Wo geht es hin, wie sind die Strecken, was macht das Wetter, welche Überraschungen warten auf uns, wo werden wir schlafen... Abenteuer den ganzen Tag. Und das Fahren macht jeden Tag mehr Spaß - wir müssen verrückt sein, oder?

 

Noch nie bin ich so schnell, freundlich und problemos nach Russland eingereist, wie diesmal aus der Ukraine kommend. Schon bei der Ausreise aus der Ukraine wurde viel gelacht und gescherzt (einer konnte englisch) und unsere Stempel bekommen war ganz nebenbei. Und auch auf der russischen Seite geht es korrekt und freundlich weiter. Selbst als Joop zum 4. Mal das Zollformular fehlerhaft abgiebt, bekommt er mit einem Lächeln ein neues Blankoexemplar gereicht. Am letzten Checkpoint will der Zöllner dann nur noch die Motoren hören... 40 Minuten!

 

Wir donnern gen Osten, auf direktem Weg, bei schönstem Wetter und besten Bedingungen. Das Kilometermachen macht einfach Laune. Nichts zwickt, nichts stört - es paßt einfach. Nur auf den 400km bis Ufa, da werden wir und die Bikes auf eine harte Probe gestellt: Der Straße befindet sich in Auflösung, tiefe Löcher, hohe Wellen und Verwerfungen, Dreck, Reifenreste, Radarkontrollen und dann die ganzen wilden Russen, die es nach dem feucht-fröhlichen Wochenende auf der Datscha jetzt eilig auf dem Nachauseweg haben. Das alles garniert mit kräftigem Schwerlastverkehr und brütender Hitze und ein echter Hardcoretag ist perfekt.

 

Dafür biegen wir dann, wie zur Belohnung, auf einer Nebenstrecke in's Uralgebirge ab. Dort überqueren wir nicht nur die geografische Grenze zwischen Europa und Asien, sondern wir werden auch mit leckeren Kurven, Bergen und saftigen Wäldern belohnt. Eine traumhaft-schöne Ecke.

 

Die grünen Berge des Ural verschwinden im Rückspiegel, als wir uns der topfebenen Steppe Kasachstans nähern. Der kleine Grenzübergang ist praktisch leer und zügig und freundlich werden wir eingelassen. Selbst die Zettel füllt man uns aus, wir verstehen ja gar nicht, was da reingeschrieben werden soll. Versicherung abschließen, Geldwechseln und drin sind wir. Alles was wir über Kasachstan gehört haben ist falsch, bis auf die schlechten Straßen, aber das lieben wir ja. Die Landschaft ist der Hammer und die Hauptstraße wird plötzlich schlechter, noch schlechter und endet dann in einer Baustelle. Wir weichen auf kleine Wege aus, die sich neben der Straße gebildet haben und finden erst in der einsetzenden Dämmerung einen Zeltplatz auf einem Feld, das so groß ist, dass wir das Ende nicht sehen können.

 

Weiter geht es gen Osten - diesmal einfach per Kompaßkurs auf kleinen Wegen und Trails (nicht immer dem richtigen). So können wir die Hauptstadt umfahren und mehr von der Steppenlandschaft und den riesigen Feldern genießen. Diesmal finden wir zum Zelten sogar einen See.

 

So und jetzt Achtung: Zuerst möchte bei der Ausreise ein Zöllner ein Foto von sich mit dem Motorrad haben (wo doch Fotografieren strengstens verboten ist) und dann sind wir in 15 Minuten ausgereist und in Russland wieder eingereist! Ich versteh die Welt nicht mehr, bin aber natürlich super happy über die vielen kleinen Dinge, die sich hier in den letzten zehn Jahren zum Positiven verändert haben.

 

Eigentlich wollen wir ja nicht mehr weiter, sind müde und erschöpft, dann ziehen wir aber doch durch und sind einen Tag früher in Barnaul als geplant. Das kommt gut, dann nun legen wir einen Ruhetag ein (den ich fast komplett mit Materialsichtung und Weitergabe verbringe). Einen ganzen Tag ohne Motorradklamotten, das ist auch mal gut. Zudem treffe ich meine alten Freunde Victor und Evgeny wieder und es gibt viel zu erzählen, schließlich ist es 9 Jahre her, dass ich mit den beiden und einer 1200 GS im Altaigebirge war.

 

Morgen ruft das Altai, der Ort an dem die innere Stimme lauter wird...

 

Morgen geht es i