WEITER GEHT'S

Drei Wochen Arbeitspausen sind eine lange Zeit, aber der lange Flug von München über Moskau nach Ulan Bator bietet genügend Zeit sich wieder auf die Reise einzustellen. Joop ist wieder zu Hause in seiner Praxis, neben mir sitzt Corinna meine Frau und wir freuen uns beide auf die gemeinsame Zeit auf den Motorrädern.

 

In Ulan Bator erwartet uns die Ruhe und Friedlichkeit im OASIS und es bleibt uns viel Zeit um Gespräche mit anderen Reisenden zu führen und uns langsam mental auf das losfahren vorzubereiten. Die Motorräder bekommen einen Satz neue Vorderreifen (der Hinterreifen wurde leider in der falschen Größe geliefert und wird freudig von anderen Motorradfahrern an deren Motorrädern montiert), wir schmieren die Ketten und kontrollieren die Schrauben und außer einer kleinen Reinigung bleibt uns an den Motorrädern sonst nichts zu tun.

 

Voller Tatendrang und Energie packen wir morgens früh die Motorräder und verlassen Ulan Bator bevor der dortige Stadtverkehr die Stadt zu einer Todesfalle für Motorradfahrer macht. Schnell finden Corinna und ich unseren Rhythmus und auch die ersten offroad Einlagen bereiten Corinna keinerlei Probleme. Entspannt und mit breitem grinsen im Gesicht fahren wir durch die grüner werdende, mongolische Landschaft, immer wieder begleitet von neben uns hier reitenden Mongolen. Motorrad Freude pur!

 

Unser Vorwärtskommen wird bei der Ausreise aus der Mongolei deutlich gebremst: Um zur Tourpause ohne Motorräder ausreisen zu können, mussten wir diese in Ulan Bator beim Zoll anmelden. Um Zeit zu sparen haben wir uns in Ulan Bator nicht wieder beim Zoll gemeldet. Nun ist das Ausreisezollamt mit unserem Papierkram leicht überfordert. 4 Stunden dauert das ganze. Corinna lacht nur sie meint, in Deutschland wäre das Chaos noch größer gewesen.

 

Wie Kilometer bis Ulan Ude ziehen sich in die Länge. Wir sind müde, wollen aber die Stadt heute noch erreichen. Ein Regenschauer sorgt für Erfrischung, aber letztendlich erreichen wir in der Dämmerung die Stadt. Die Suche nach einem Hotel ist relativ schwierig, da fast alle ausgebucht sind. Aber schließlich finden wir doch noch eine passende Bleibe.

 

Bei wechselndem Wetter und teilweise heftigem Regen geht es weiter Richtung Baikalsee. Diese Straße bin ich vor zehn Jahren schon in der anderen Richtung gefahren und sie macht wieder richtig Laune. Einfach genial wie sich die Straße durch die Berge windet und dann immer wieder der See zwischen den Bäumen hindurch blitzt. Am späten Nachmittag erreichen wir Irkutsk und die Suche nach einem Hotel beginnt von neuem. Letztendlich landen wir in einem Guesthaus, dürfen aber den Hotelparkplatz eines großen Hotels in der Stadtmitte benutzen und werden vom Inhaber des Hotel- Restaurants zum Abendessen eingeladen. Im Gästehaus haben wir eine Zweizimmerwohnung mit kleinem Balkon - leider im fünften Stock ohne Aufzug…

 

Die Sonne brennt schon ziemlich, als wir die Motorräder packen und uns in Richtung Insel Olchon auf den Weg machen. Was vor zehn Jahren noch eine schöne Schotterpiste durch die Berge war, ist heute eine top ausgebaute Asphaltstraße, leider. Ganze 3 km Baustelle sind noch auf Offroad - das war früher besser. Der Fahrzeugstau zum Fähranleger ist bestimmt 8 km lang, Freitag, schlechtes Timing. Wir fahren mit unseren Motorrädern fröhlich am Stau vorbei und sortieren uns ganz vorne an der Kette wieder ein. So landen wir direkt und problemlos auf der zweiten einfahrenden Fähre. Schon vor zehn Jahren war es so, dass die Autos vorwärts auf die Fähre auffahren mussten und die Fähre rückwärts wieder verlassen mussten – Das ist noch heute so. Wir stehen als letzte auf der Fähre und mithilfe der Mitarbeiter schaffen wir es auch rückwärts über die Rampe.

 

Olchon, die magische Insel im Baikalsee. Die sandige Piste führt uns mäandernd über die Insel und bringt uns in entspannter Fahrt nach Kushir. Es fühlt sich gut an, wieder hier zu sein. Schön zu sehen, wie Corina immer sicherer auf dem Motorrad wird. Man sieht ihr den Fahrspaß richtig an. Kushir ist in den letzten zehn Jahren explodiert. Seit es Strom auf der Insel gibt, hat der Tourismus alle Register gezogen. Wir finden ein Zimmer bei Nikita, im ältesten touristischen Guesthouse von Kushir. Das gab es vor zehn Jahren schon.

 

Wir spazieren zum weltberühmten Schamanen Felsen und lassen die Magie des Ortes auf uns wirken. Corinna „nimmt Kontakt“ mit dem eiskalten Wasser des Baikalsees auf. Das muss man einfach gemacht haben wenn man hier war. Wir genießen die Besonderheit des Ortes und tanken Energie für das Kommende.

 

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