VERDAMMT WEIT WEG

Es geht in’s Krankenhaus von Taksimo. Ich bekomme ein Zimmer und eine Spritze. Danach wird ein mobiles Röntgengerät in mein Zimmer gerollt, leider funktioniert es nicht. Ich werde in einen Rollstuhl verfrachtet und bis zur Treppe gefahren. Die Treppe muss ich dann aber doch selbst bewältigen. Unten wartet ein 4x4 UAZ Krankenwagen auf mich, der mich in schneller Fahrt quer durch die Stadt zu einem anderen Krankenhaus bringt. Ziemlich wild, wenn man auf der Liege liegt, nicht festgeschnallt ist und sich nicht festhalten kann... Dort werde ich geröntgt und die wilde Fahrt geht wieder zurück in’s Krankenhaus. Inzwischen ist es kurz nach 02:00 morgens. Corinna macht sich todmüde auf den Weg in’s Hotel, ich werfe zwei Schmerztabletten der härten Sorte aus meinem Fundus ein und falle in einen tiefen Schlaf.

 

Während ich im Krankenhaus liege, laufen bei Corinna die Drähte heiß. Sie organisiert den Motorradtransport per Bahn nach Moskau und steht in ständigem Kontakt mit den diversen Abteilungen des ADAC. Alles nicht ganz so einfach hier in Russland. Dazwischen kümmert sie sich um mich, sortiert unser Gepäck und macht die Motorräder Bahntransportfertig. Inzwischen scheint der ganze Ort von unserem Schicksal zu wissen. Immer wenn nötig, tauchen helfende Hände auf. Am ersten Tag nach meinem Unfall kommt Nachmittags mein Motorrad per Zug zurück nach Taksimo. Unfassbar, bis auf einen verdellten Koffer und einen kleinen Riss in der Seitenverkleidung ist das Motorrad unversehrt. An der F800 Adventure liegt es also nicht, dass die Reise hier ein verfrühtes Ende nimmt.

 

Wir bringen den Rückholservice des ADAC an seine Grenzen. Wir sind schon verdammt weit weg... Nach endlosen und spannenden Tagen  fährt uns der Hotelmanager morgens an den Bahnhof und bringt unsere Taschen in unser Abteil. Wir fahren 50 Stunden mit der BAM gen West nach Novosibirsk. Gemütlich im Abteil sitzend passieren wir all die Brücken und Wasserdurchfahrten durch die wir uns gekämpft hatten, nochmals. In Novosibirsk liegen Flugtickets für uns bereit (Dank ADAC) und via Moskau fliegen wir nach München. Dort wartet ein Krankenwagen, der uns, nach anfänglicher Panne, Mitten in der Nacht noch in die Klinik fährt. Auch dort werden wir erwartet und bestens versorgt. Das hatten wir per Telefon mit einem befreundeten Orthopäden (dem wir die Röntgenbilder per Mail gesendet hatten) schon geklärt. Die benötigten Titanplatten für mein Gelenk liegen hier schon bereit.

 

So feiern wir Corinnas Geburtstagsfrühstück im Krankenzimmer (nachdem wir dort, nach nur 2 Stunden Tiefschlaf erst von der Nachtschwester und dann von einer Putzfrau geweckt wurden...)

 

Wir sind wieder zu Hause, die Wunden heilen gut und die Rechnung mit der BAM und der Road of Bones ist immer noch offen! Wir kommen wieder, versprochen ;-)