EURASIEN TOUR

Als die Einladung kam, war’s wohl eher ein Traumgedanke, als Teilnehmer einer weltweiten Sternfahrt, zu einem Motorradtreffen quer durch Russland nach Vladivostok zu fahren... inzwischen ist es Realität! Ausserdem konnte ich noch 3 Mitfahrer gewinnen. Ende Juni ging’s los - was sind schon 13.562km um mit ein paar Motorradfahrern ein Bierchen zu trinken? ;-)


Die Tour war meine erste Motorradreise überhaupt!


Ab hier nun meine Mailberichte von unterwegs - mein Tagebuch ist als Buch „Eurasien Tour“ erschienen

 

29. Juni 2003

 Seit Montag bin ich nun endlich unterwegs! Nachdem die Post fast alles noch gebracht hatte, was gefehlt hat, habe ich dann noch schnell den Hauptständer montiert und mein Moped gepackt. Wohnung abgeschlossen und mit dem fetten Moped die ersten 20 Meter bis zu Eva in die Fahrschule gefahren. Dort noch ein kleiner, leider viel zu kurzer Plausch, dann weiter zu Alex, den Wohnungsschlüssel abgeben. Von Alex zu BMW, letzte Ersatzteile aufladen, Kaffee trinken (Danke Schmidi) unendlich auf die Bahn, die natürlich gleich einen Stau für mich bereit hielt. Irgendwann ging's weiter - immer schön hinter der Unwetterwolke her bis in die Hauptstadt. Dort landete ich bei Franziska & Andreas, die mich mit Essen und viel Bier versorgten und mir einen sehr lustigen Abend bereiteten. Am nächsten Morgen noch letzte Besorgungen und gegen Abend trudelten dann die anderen Mitreisenden ein. Wieder gab's einen schönen Abend bei Franziska und Andreas (Vielen Dank - schön, dass es Euch gibt!) Und am nächsten Morgen ging's dann los: Kurzer Abstecher zu Christoph, dann Treffen im Cafe Einstein vor dem Brandenburger Tor. Einige Meter Film gedreht bzw. drehen lassen und dann nix wie raus aus der Stadt. Bald schon sind wir über der polnischen Grenze. Kette spannen, Geld wechseln, Lebensmittelkaufen und endlich können wir freier Atmen - die erste Hürde ist geschafft: Wir sind losgefahren! Geschlafen wird an einem netten See irgendwo in den endlosen Polnischen Wäldern. Der nächste Tag führt uns fast 400km durch eine wunderschöne Landschaft. Endlose Alleen, Wälder, Seen und Bäche und überall nette, freundliche Menschen. Für die Nacht finden wir einen so perfekten Platz an einem See, dass ich vor Freude gleich mein Moped hinschmeiße... Schnell ist etwas gekocht und der Abend klingt am Lagerfeuer aus... so schön kann das Reisen sein. Mit jedem Kilometer lassen wir unsere Sorgen und die Hektik der Vorbereitungen hinter uns, jeder Atemzug macht uns freier. Das Ziel des nächsten Tages heißt Litauische Grenze, die wir gegen Abend nach einer wunderschönen Fahrt auch erreichen. Dort stellen zwei Mitreisende dann fest, dass sie die KFZ Papiere vergessen bzw. nurungültige dabei haben - also keine Ausreise möglich. Für die nächsten beiden Nächte finden wir einen netten Campingplatz an einem See (wo sonst) und begießen den Frust mit einigen Bierchen. Benito und ich sitzen noch lange mit den Campingplatzbesitzern & Freunden zusammen und trinken Bier und Whiskey - das bekommt uns so gut, dass wir am nächsten Tag nur zum schlafen, kochen, waschen und faulenzen fähig sind... Heute ging’s dann durch einen Nationalpark nette Schotterkilometer :-)))))))))))))) in Richtung der Stadt, in der DHL am Dienstag die fehlenden Papiere anliefern möchte - lassen wir uns mal überraschen! (Bitte Daumendrücken). Hier haben wir ein nettes Hotel gefunden, mit Internet, Duschen und bewachtem Parkplatz und entsprechend haben wir den Abend gemütlich ausklingen lassen. Morgen werde ich meine Kette wechseln, Achim braucht eine neue Tachowelle (da ja immer das kaputt geht, was man nicht dabei hat) und dann wollen wir uns einen kleinen Offroad-Ausflug in den Nationalpark gönnen - ganz ohne Gepäck. Und hoffentlich geht's dann am Dienstag mit vollständigen Papieren endlich wieder Richtung Osten - denn nur diese Richtung zählt.


07. Juli 2003

puh, so um die 3.500km sind geschafft und wir haben für heute unser Lager in einem "sensationellen" Hotel in KAZAR aufgeschlagen. Viel ist passiert, seit wir Dienstag letzter Woche in Polen so gegen 16:20 die Papiere bekommen haben und dann endlich los fahren konnten. Noch am gleichen Abend haben wir die Grenze nach Litauen ohne Probleme passiert und unser Nachtlager an einem wunderschönen Seeufer aufgeschlagen. Auf der Fahrt dort hin ist Susi auf Sand leider auf ihr eh schon lädiertes Knie gefallen. Am nächsten morgen ging’s durch die wahnsinnig schöne und natürliche Landschaft von Litauen bei strömendem Regen nach Lettland. Die Süsse vom Zoll in Litauen hätte mich fast da behalten (und ich wäre freiwillig geblieben...) und weiter ging’s durch den Regen. Zur Feier des schlechten Wetters haben wir uns dann in einem super teuren Hotel (war auch das Einzige weit & breit) einquartiert und fürstlich gegessen. Am nächsten Morgen schien wieder die Sonne und wir waren bereit für Russland! Übrigens: die baltischen Staaten sind auf jeden Fall eine Reise wert. Schotterstrassen so weit das Auge reicht, verwunschene Fährübergänge und einfach eine tolle Landschaft. Nach ca. 4km LKW Kolonne, die wir natürlich überholt haben, stehen wir am Zoll - Ausreise Litauen / Einreise Russland. Achim und Susi fehlen, wir werden nach Russland durch gewunken...nach ca. 2 Stunden schlagen Achim und Susi dann auch auf, während wir schon fast durch alle Formalitäten durch sind. Susi ist wieder gestürzt und konnte erstmal gar nicht fahren. Wenn's jetzt zu einem Zeltplatz geht, fährt Achim 2x....Schwupp die Wupp waren wir in Russland. Ging alles sehr schnell & freundlich! Bald ist auch ein Zeltplatz gefunden und wir feiern die erste Nacht in RUS mit einer Flasche Wodka. Und dann ging sie los, die Fahrt nach Osten - schnurgerade geht die Strasse in unsere Richtung. Manchmal hat sie 4 Spuren, manchmal nur eine, manchmal auch keine einzige. Stellenweise ist sie besser ausgebaut als unsere Autobahnen zuhause, manchmal gibt's Schlaglöcher die man nur auf Fotos begreifen kann... Dann der Ring um Moskau...bis zu insg. 14 Spuren und keine Regeln, alles geht überall...auch das schaffen wir und bald liegt die Hauptstadt hinter uns. Zum Übernachten stolpern wir in ein sozialistisches Jugendlager und mitten in eine Party...wir schlagen unsere Zelte zwischen den Häuschen auf und gehen baden & feiern....heftiger Absturz, viel zu lachen, nette Leute. Heute sind wir nun in KAZAR, mal wieder im Hotel zum duschen und waschen und morgen geht's weiter.... in der Gruppe klappt es echt gut, so langsam gewöhnen wir uns an die kleinen Eigenheiten - wenn die Tour rum ist, bin ich beziehungsfähig *grins* 


07. Juli 2003 die 2.

Es ist heftig heiß hier, schon morgens um 4:00 kommt man sich im Zelt wie in einer Sauna vor - und das mir als Langschläfer...die Nächte sind sehr kurz, da es hier sehr, sehr lange hell ist.

 Und die Mücken sind eine Plage - wir sehen alle krank aus, da wir am ganzen Körper völlig verstochen sind. praktisch keine Stelle, die noch nicht mehrfach getroffen wurde. Ist aber auch logisch: Die Strasse wird auf einem Sandwall gebaut und die ganzen Waelder und Felder darunter stehen alle voller Wasser. da fühlen sich die Biester sehr wohl. Unser Glück ist nur, dass sie etwas träger sind als bei uns.

 Der Kontakt zu den Russen ist immer sehr lustig & herzlichen. Wir reden in zwei Sprachen aufeinander ein, lachen und freuen uns und keiner versteht den anderen...trotzdem bekommen wir immer, was wir möchten. An der Strasse, irgendwo im Nichts stehen Menschen und verkaufen Pilze, Beeren, Obst, Bärenfelle usw. Wer hier verhungert ist selbst schuld.

Schlanker werde ich hier jedenfalls nicht....


11. Juli 2003

 Schon wieder sind ein paar Tage vergangen und auf den vielen Kilometern durch die Russischen Wälder und Felder habe ich mir schon ein paar Sachen zurecht gebastelt, die ich Euch diesmal schreiben wollte. Von der endlose Weite des Landes, einer Landschaft im Ural, die wie ein Deutsches Mittelgebirge oder der Schwarzwald aussieht, den Russischen Strassen, die mal nagelneu und manchmal ausgewaschener Beton mit Löchern so groß und tief wie Kinderwagen sind, oder den Strassen, die mit flüssigem Bitumen besprüht werden und sich bei der Hitze wie auf Schmierseife fahren, oder den Schlaglöchern, die  auch mit  flüssigem Bitumen gefüllt werden und wenn man durchfährt fliegt dem Nachfahrenden der ganze heiße, schwarze Schlamm ins Gesicht, von der Strasse, die plötzlich zur wilden Piste wurde, von einer spannenden Fährefahrt unterbrochen wurde und dann noch gute 30km Sand bereithielt für uns, von einem Dorf im Nichts an einer Piste, mit 2 netten Mädels im "Magazin" und einem Jungen der fließend Deutsch sprach, da er bis vorgestern noch im Schwäbischen gewohnt hat, von den Menschen wollte ich schreiben, die alle sehr freundlich und zurückhaltend sind und bis auf wenige Ausnahmen auch trotz der Sprachprobleme immer bemüht sind unsere Wünsche und Neugierde zu erfüllen. Von Menschen, die uns spontan zum Tee eingeladen haben, Mechanikern, die beleidigt waren, als wir ihnen fürs Schweißen Geld geben wollten, Polizisten die statt 500Rubel fürs Überholen im Überholverbot plötzlich nach einem "present" fragen und mit zwei Zigarren zufrieden sind, von einem Zeltplatz auf einer Wiese, auf dem so viele Mücken waren, dass mein Mückenschutzhut schwarz war, vor lauter Biestern....von all diesen Dingen wollte ich heute erzählen, aber dann kam dieses Hotel dazwischen. Gestern haben wir den Ural durchfahren und irgendwo dort die geografische Grenze von Europa nach Asien überschritten. (Nun greift weder ADAC noch die Kaskoversicherung) Hier in Ekatharinenburg wollen wir einen Tag Pause machen und die Hinter abkühlen, uns parat machen für die nächsten 8000km. (ja, ein Drittel ist geschafft und wir liegen gut in der Zeit). Also, das Hotel war schnell gefunden, eine Dame die Englisch konnte auch, der Preis war ok und dann ging's los: Einen Raum für uns Gepäck "Njet", Parkplatz für die Motorräder "Njet" usw. Nach langem Motzen und der Frage nach dem Manager dann endlich ein Raum für's Gepäck und wir konnten die Mopeds direkt vors Hotel auf einen Absatz parken. Die Security stand schon bereit. Die Zimmer? Das von Susi und Achim noch schmutzig, das von Benito und mir gemacht und eigentlich ok - aber das Bad... so schmutzig, dass wir hier duschen müssten, sind wir dann doch noch nicht ;-)))) Hatte dann heute morgen ein Gespräch mit dem Manager - er hat 20 Minuten telefoniert, bis er einen Menschen auftreiben konnte, dem ich dann via Telefon meine Problemchen schilderte und der diese dem Manager dann übersetzte. Hat funktioniert und nun ist soweit alles klar. Auch die Security, die heute morgen um 7:30 (3:30 bei Euch) an der Tür geklopft hatte und extra Geld fürs Motorradbewachen haben wollte, muss den Job jetzt ohne Schmier/Schutzgeld machen....

 Uns geht's gut - wir freuen uns auf das, was uns noch erwartet! Hoffentlich werden die Mücken nicht mehr, viel Platz für neue Stiche habe ich nicht...

 DANKE an Schmidi wegen dem Telefonsupport von wegen "Mein Moped klackert" Das Telefonat wird mich wohl ruinieren, aber Du wirst es nicht glauben, als ich heute morgen zur BMW Werkstatt (ja, sowas gibt's hier) fahren wollte, klapperte es dreimal beim Anlassen und dann lief er wieder voellig normal. Hab ihn dann noch 3x angelassen und alles wie in Butter....versteht einer die Technik ;-)

 

21. Juli 2003

ja, inzwischen haben wir 7 Stunden Zeitunterschied zu Euch im guten, alten Europa. Den Tag den ihr gerade anfangt, habe ich schon halb hinter mir...hinter mir habe ich inzwischen auch gut 8.500km ohne nennenswerte Zwischenfälle. Mein Moped schnurrt wie eine 1 (nur die Wasserpumpendichtung hat Schnupfen und tropft mit etwas Öl) und bis auf einen Nagel im Hinterreifen ist nichts weiter passiert.

Wir haben eine Menge Menschen getroffen, nette Abende verbracht, jede Menge Wald und Felder und Wiesen gesehen, gutes und sau schlechtes Wetter gehabt, Milliarden von Mücken ernährt und zwei Nächte ganz ohne Mücken verbracht, in russischen Flüssen um Mitternacht bei Vollmond gebadet, uns getrennt und wieder gefunden, andere Reisende getroffen, jede Menge Eindrücke, Bilder und Gerüche gesammelt.....Russland ist der Wahnsinn! Einfach unglaublich...

Jetzt stehen noch etwa 3000km an - wovon ca. 1000 wirklich ungewiss sind. Auch die Russen können immer nur vom Hörensagen über diesen Streckenabschnitt berichten - lassen wir uns überraschen - heute haben wir einen Biker getroffen, der gesagt hat, dass es machbar ist, also machen wir es ;-)))

 Uns geht's gut und noch keine Dusche in meinem Leben hat so gut getan wie die gerade eben im Hotel! Wir sind in Irkutsk am Baikalsee, werden hier zwei Tage die Wunden lecken, die Motorräder streicheln und uns ein bisschen einen der wenigen, touristisch etwas entwickelten Umgebungen Russlands ansehen. 


22. Juli 2003

so, ich habe lange geschlafen (ganz ohne Mücken), lecker gefrühstückt und mein Energielevel ist wieder im grünen Bereich! Darum ist auch Zeit & Lust auf ein paar kleine Geschichten von unterwegs...

Da hält mich eine Polizeikontrolle auf um die üblichen Fragen zu klären: Woher/Wohin und der Polizist sieht den Nagel in meinem Hinterreifen. Sofort waren die Polizisten vergessen und wir haben an Ort und Stelle den Reifen ausgebaut und geflickt. Leider hat uns dabei auch noch schnell eine Gewitterfront überrollt...den Polizisten war's dann auch zu blöd oder zu nass, auf jeden Fall haben sie sich in ihr Häuschen verzogen und sich nicht mehr blicken lassen...

Oder die beiden Franzosen in Novosibirsk, die eine "kleine" Tour mit original BMWs mit Beiwagen Baujahr 1939 machen - das waren zwei echte Originale. Wir hatten eine Menge Spaß und waren für zwei Stunden die Attraktion in Novosibirsk. Leider haben wir dort die Natascha, die Marius Mueller-Westernhagen besingt nicht getroffen ;-)))

Und dann in Mariinsk, wo ich gegen Abend schon recht genervt an der Strasse stehe, während der Rest der Truppe einkaufen ist. Plötzlich fährt ein Toyotabus vorbei, bremst und fährt zurück. Fenster runter und ich rolle schon mit den Augen...nicht schon wieder die üblichen Fragen. Die Fragen kommen, aber erst auf Englisch, dann auf Deutsch. Ich fange an zu lächeln ;-) Da gibt es doch in diesem verlassenen Nest eine Station der "Ärzte ohne Grenzen" besetzt von einem echt internationalen Haufen junger Menschen. Schnell sind wir eingeladen und eigentlich gegen den Willen meiner Mitfahrer fahren wir dort vorbei und werden herzlich empfangen. Dem Tee folgen die Reste des Mittagessens, dann die Einladung zur Teilnahme an einer Party mit den Offiziellen der örtlichen Gefängnisse (deren Gefangenen mit TBC die Ärzte hier helfen), nach einiger Diskussion bleiben wir und werden letztendlich auch die Nacht dort verbringen. Mir ist's recht, habe ich doch in Marina, einer jungen Frau aus Sibirien die auch noch fließend Englisch und ein bisschen Deutsch spricht, einen netten Gegenpart gefunden. Spät in der Nacht geht's noch zum Baden an den Fluss und gegen 4:30 fallen wir alle todmüde in die Betten, um drei Stunden später wieder auf zu stehen. Für heißes Wasser zum duschen musste erst der mit Holz befeuert Boiler in Marinas Badezimmer angeheizt werden...eine kleine Motorradtour mit Marina am frühen Morgen und schon müssen wir leider weiter....

Am nächsten Tag "verlieren" wir Achim und Susi und genießen einen Abend ohne "Gruppenzwänge", dafür mit russischer Gesellschaft. Das war sehr lustig, leider kippt bei den Russen nach einigem Alkoholgenuss gerne die Stimmung von freundschaftlichem Miteinander zu irgendwelchen Machtspielchen...aber auch das bekommen wir unter Kontrolle. Am nächsten Tag freuen wir uns auf den angekündigten Schotter und er kommt, leider immer wieder unterbrochen von neuen Asphaltstücken... Mit gut 100 Sachen blasen wir über die Piste, es ist die wahre Freude des Motorradfahrens und eine harte Prüfung für die Maschinen. Immer wieder schlage ich mit dem Hauptständer auf und trete diverse Male den Beweis an, dass mein Moped inkl. Gepäck und Fahrer Flugtauglich ist. In dem Staub auf der Piste sind Bodenwellen nicht immer rechtzeitig zu erkennen. Bei unserem Tempo kommt es dann schon vor, dass man komplett abhebt und entsprechend heftig wieder aufkommt. Bin aber immer oben geblieben, sprich mit den Rädern aufgekommen und die Federbeine (Öhlins)/Gabelfedern (BMW Original) stecken das auch gut weg. Das Grinsen im Gesicht schmerzt schon fast :-)))))))))))))

Ach ja, am Ende des Tages treffen wir Achim und Susi wieder - nach längerer Diskussion vereinbaren wir erstmal wieder als Gruppe mit leicht gelockerten Regeln weiter zu fahren, um das Filmprojekt nicht zu gefährden... schaun wer mal ...

Und dann die letzten Kilometer an den Baikalsee - der so eine Art Etappenziel für uns ist...die Landschaft ist sanft und hügelig, mehr Wiesen als Wälder, die Strasse führt durch die Hügel wie ein kühn gezogener Pinselstrich, über der Landschaft liegt ein Dunstschleier wie ein Mantel der Melancholie - wenn die Melancholie irgendwie ihren Ursprung hat, dann hier!

Irkutsk empfängt uns mit Lärm, einem höllen Verkehr und einer schwülen Hitze, den Bikerclub den wir suchten und bei dem wir bleiben wollten gibt's wohl nicht mehr und nun sind wir mitten im tiefsten Sibirien in einem teuren Hotel, das ein englisches Frühstücksbuffet bietet, weiß was man unter Service versteht, englisch sprechendes Personal hat...verkehrte Welt nach 8500km....

 

29. Juli 2003

schon wieder ist eine Woche vergangen und gestern haben wir die 10.000km Marke überschritten. Natürlich haben wir wieder so einiges erlebt unterwegs.

Nach unserem 2-tätigen Aufenthalt in Irkutsk sind wir einen "touristischen Schlenker" auf die Insel Olchon im Baikalsee gefahren. Erst ging’s durch eine Hochebene die, bedingt durch die Waldbrände in ein sehr seltsames Licht getaucht war und auf der selbst bei 100km der Fahrtwind keine Kühlung brachte, dann leckere 50km Schotter bis zur Fähre und auf der Insel ging's mit Sand und Schotter weiter :-)))))) Unsere Zelte haben wir ganz in der Nähe des Schamanenfelsens aufgeschlagen - direkt am Strand und kaum standen die Dinger fing’s auch schon an zu regnen. Dieses Wetter ist uns seit dem mehr oder weniger treu geblieben. Haben dann einen entspannten, verregneten Tag auf Olchon verbracht. Ich habe mich in's Wasser des See's gewagt: Eiskalt (unter 10 Grad) aber kristallklar. Auf der Rückfahrt war das Wetter erst ok, bald hatte uns aber der Regen eingeholt. Im Ort nach Irkutsk haben wir dann bei der Bahnpolizei nach einer Unterkunft gefragt und die sind dann fast 1 Stunde vor uns her gefahren und haben verschiedene Varianten abgeklappert. Letztendlich sind wir in einem sozialistischen Erholungsheim für Familien untergekommen - mitten auf dem Land... Weiter ging's nach Ulan Ude. Die Fahrt dorthin führt wunderschön über die Berge und immer wieder am Baikalsee entlang - leider hat es aus allen Kübeln geregnet und wir haben von der schönen Landschaft nix mitbekommen, da die nasse Strasse und der Verkehr volle Konzentration fordert - die Reifen sind doch sehr runter jetzt... In Ulan Ude hatten wir die üblichen Querelen bis die Mopeds sicher geparkt sind und am nächsten Morgen sollte es weiter Richtung Chita gehen. Allerdings wollten wir vorher noch ein buddhistisches Kloster in der Nähe besuchen. An einer Tankstelle bot sich eine Familie an uns voraus zu fahren (und das war gut so - wir hätten das Ding NIE gefunden) und dort angekommen nahmen die Tochter Benito und mich auch gleich mit auf die Runde um's Kloster. Immer schön links an den Gebetsmühlen vorbei und vor jeder Mühle steht eine Kasse.... hinterher wollten wir die Familie zum Tee einladen was dann eine Einladung der Familie zum Essen für uns wurde. Als wir weiter wollten stellte Benito fest, dass sein Mopedschlüssel nicht mehr steckt. Grosse Aufregung, da er den Zweitschlüssel auch nicht mehr finden konnte. Keine 5 Minuten nachdem der Mönch alarmiert worden war, stand fest wo der Schlüssel ist. Eine "Delegation" fuhr in's Dorf und 10 Minuten später war der Schlüssel da - gut dass wir Gebetsfahnen gekauft hatten ;-) Nun sollte es endlich weitergehen - denkste! Beim Rest der Truppe war die Luft raus. 1. Anhalten: Essenkaufen, 2. Anhalten Essen gehen, 3. Anhalten: Mehr essen kaufen, 4. Anhalten: Filmen grrrrrr nach nur 220km schlugen wir unsere Zelte auf. Am nächsten morgen Regen, was sonst. Benito und ich stehen früh auf, schließlich stehen gut 500km bis Chita an. Von unterwegs lassen wir in Chita einen Motorradclub-Menschen anrufen, den ich via Internet aufgetrieben habe und 30km vor Chita werden wir abgeholt. Das will ich in Deutschland mal erleben... Hotel ist schnell gefunden, Bikes geparkt und dann geht's endlich und zum 1. Mal ab in die Banja. Boah hat das gut getan!!!!!!!!! Heute Abend werden wir die Reifen wechseln, die Mopeds streicheln und morgen geht's los auf den ungewissen Teil der Strecke. Der Regen ist nicht das, was wir brauchen können für diese 1.000 km "no road, very bad condition" - O-Ton eines russischen Bikers, der die Strecke gerade mit seiner Ural geschafft hatte.

Die Ecke hier ist wunderschoen! Melde mich wieder, wenn der harte Teil hinter uns liegt...

PPS.: Mein Schutzengel ist schnell genug - zum Glueck, sonst haette mich der LKW den ich gerade ueberholt habe und der dann links abgebogen ist bestimmt erwischt...

PPPS.: Hab eine neue Frisur, dank Benito...

 

07. August 2003

Es ist fast geschafft! Wir sind gestern nach einem langen, verregneten Tag in Kabarovsk am Amor angekommen und werden uns hier etwa 5 Tage erholen, die Wunden lecken und die Motorräder pflegen - aber, der Reihe nach:

 Eigentlich war ja geplant, dass Susi mit Motorrad von Chita aus den Zug nimmt, da ja nun der ungewisse Streckenabschnitt folgen sollte. Als Pavel dann Morgens in's Hotel kommt, schlägt er vor, das Susi mit dem Zug fährt und er ihr Motorrad mit uns nach Kabarovsk fährt. Perfekt! In zwei Stunden war alles organisiert, Susi bei Pavels Mutter in guten Händen, ein Reservekanister an meinem Moped befestigt und wir machten uns auf die letzten 160km Asphalt für viele Tage. Die Landschaft ist wunderschön, fast wie in den Schweizer Voralpen und die Sonne scheint auch mal wieder für uns. Kurz vor Abend erreichen wir die Schotterautobahn. Mit gut 100 Sachen blasen wir darüber und schlagen ein paar mal heftig in die Federn. Hier tanke ich auch zum ersten (und einzigen Mal) Mal 76 Oktan... Wir zelten an einem netten Plätzchen und freuen uns auf die kommenden Tage. Auch am nächsten Tag ist außer Schotter nicht viel geboten. Die Tankstellenabdeckung wird flüchtiger, aber es gibt immer Sprit, wenn man welchen braucht. Das Trinkwasser kommt aus den nahen Flüssen und vor dem Zelten am zweiten Tag steht eine nervige Piste mit Millionen von heftigen Schlaglöchern bei denen es kein Entrinnen gibt - ach und regnen tut es auch wieder (seit 6Wochen soll es in dieser Ecke nur regnen) Pavel gibt der armen BMW von Susi kräftig die Sporen. Er hatte sich mit seinem Angebot wohl verrechnet und gedacht, dass Thema ist in 3 Tagen gegessen. Er scheint etwas verwundert, als wir von 10 Tagen sprechen. Endlich kommen wir an den spannenden Teil der Strecke, Wasserdurchfahrten wechseln mit Schotterpiste, Schlammpassagen, groben Steinen, Sand, Schlaglochpisten, Erde - alles was man sich vorstellen kann. Die Bauarbeiten sind relativ weit fortgeschritten und je nach Bauabschnitt wechselt der Untergrund. Oft mit tiefen Furchen wegen der  großen LKWs durchzogen, hat der Regen auch hier seine Spuren hinterlassen. Seit 5 Tagen steht Wasser in meinen Stiefeln... Spannend sind die Umfahrungen der Brückenbaustellen. Wir haben sie nicht gezählt, aber 100 waren es bestimmt. Da geht's dann steil runter von der Trasse, unten durch einen Fluss, eine Schlammpfütze oder über eine Drainage und dann geht's steil wieder hoch... geschlafen haben wir einmal im Bahnhof (da gibt's nette Zimmer), einmal in einem Wohnheim für Bahnarbeiter (auch sehr nette Zimmer) und einmal in einem Baustellencamp an der Strecke - die haben sogar extra die Kantine für uns aufgelassen und die Banja noch mal angeheizt... Das alles immer von uns organisiert, da Pavel immer gleich gemeint hat, dass geht nicht...und ob das geht ;-)))Irgendwann hatten wir dann gestern wieder Asphalt unter den Reifen - der aber auch immer wieder durch super schmierige Schlammpassagen unterbrochen war. Die Mopeds haben gelitten: Pavel hat es dann nach 4 fachen Bruch des Gepäckträgers zum Totalausfall der BMW geschafft. Kommentar: Es ist nicht seine Fahrweise sondern die schlechte Strasse...Wir haben ihn und die BMW auf den ersten LKW geladen, der vorbei kam und er ist auch gestern hier angekommen, Bei Achim haben wir ein Radlager wechseln müssen (natürlich mitten auf der Piste und bei 8 Millionen Mücken), Benitos Kettenrad ist glatt und die USD-Gabel leckt  und ich hatte den Bruch einer Rahmenheckbefestigungsschraube und zwei neue Bremsbeläge hinten. Also haben wir alle ein bisschen was zu tun und gönnen uns eine kleine Pause hier in dieser schönen Stadt in einem viel zu teuren Hotel...

 Das letzte Abenteuer, auf das wir uns gefreut hatten, ist eigentlich keines mehr. Mit ein bisschen Fahrtechnik und den entsprechenden Mopeds war das locker zu schaffen. Wir waren nie an einer Stelle, wo es für uns nicht weiterging- eigentlich Schade, wir hatten es wilder erhofft ;-)))))

So, jetzt sind es noch knapp 900km bis nach Vladivostok...


13. August 2003

Ja, es ist geschafft... geniales  Gefühl, am Ziel einer solchen Reise zu sein. Aber wie sind wir angekommen?:

Also, Susis Motorrad haben wir nach langem probieren und Telefonaten mit der BMW Niederlassung Düsseldorf (DANKE SCHMIDI!!!!) wieder zum Laufen gebracht und haben das am Abend auch gebührend gefeiert. Am nächsten Morgen wollten wir die Kleine von Susi wieder zusammenschrauben und noch gemütlich durch die Stadt bummeln. Denkste. Als Susi nach 5 Minuten Warmlaufen Gasgeben möchte, macht’s blubb blubb und die Kiste ist aus... wieder folgen lange Telefonate mit BMW in D'dorf (Nochmal DANKE Schmidi) und der BMW Hotline (zum Ortstarif *brüll*) aber da geht nix mehr. Ich schraube zum 5 Mal mein Moped auf um Teile in Susis Motorrad austauschen zu können. Es ist zum verzweifeln. Trotzdem laden wir abends den ganzen Bikerclub auf ein Bierchen ein und wir haben mal wieder einen sehr lustigen Abend. Benito und ich beschließen, auf jeden Fall am nächsten Tag nach Vladivostok aufzubrechen, da am Montag dort eine Pressekonferenz stattfinden soll, auf der wir erwartet werden. Da Achim und Susi noch schlafen, fahren wir alleine ins Clubhaus der Biker, tauschen nochmals Teile von meinem Motorrad in Susis, aber wieder springt sie nicht an. Wir packen und fahren (bei strömendem Regen) los. Es läuft gut und wir sind guter Dinge, bis bei Benito komische Geräusche auftreten. Die russische Kette, die ihm die Biker aufgezogen haben ist völlig trocken und muss dringend etwas gelockert werden. Dieses Spiel wiederholt sich einige Male, dann werden die Geräusche ungemütlicher. Ein Radlager hat einen Knacks und sein Hinterrad fängt an zu eiern. Wir haben noch 250km bis Vlad. und finden an einer Tankstelle einige hilfreiche Jungs, die aber leider auch keinen Pick-up auftreiben können. Also fahren wir weiter um schließlich bei völliger Dunkelheit noch eine Gastinitza zu finden, wo wir, nach den üblichen Diskussionen, für die Nacht unterkommen. Dann heißt es früh aufstehen, da die Pressekonferenz um 12:00 beginnt und wir noch gut 200km vor uns haben. Mit ca. 80km/h versuchen wir dem Sonnenaufgang zu entfliehen :-) Die Geräusche werden lauter, aber Benito holt aus seiner KTM das Letzte raus. Um kurz nach 11:00 stehen wir vor dem Monument der Stadt Vladivostok - wir haben es geschafft!!!!! Wir machen einige Fotos und warten auf Sinus, den Organisator des Treffens, der uns mit dem Motorrad abholen will. Es geht direkt zur Pressekonferenz und danach laden wir Benitos KTM auf einen Pick-up... das Radlager ist völlig zerstört, die Nabe steht kurz vor dem Bruch – das war knapp. Meine kleine BMW hat sich (was den Reparatur- und Wartungsaufwand angeht), noch am besten geschlagen!. Nachdem die Instandsetzung der KTM in die Wege geleitet wurde, werden wir von unserem Gastgeber Sergej abgeholt, bei dem wir die nächsten Tage wohnen sollen. Eigentlich völlig am Ende und in Vorfreude auf ein Bett, fahren wir in einen Club (der Sergej und Oleg  gehört) und lassen uns mit Essen und viel viel viel Vodka feiern... völlig am Ende landen wir schließlich zuhause. Ich springe in dieser Nacht noch 3x ins Bad... am nächsten Morgen fühlen wir uns wie vom Zug überfahren und werden gleich mit Bier empfangen NJET! Es ist schwierig bei den Russen ein "Nein" durch zu bekommen. Wir werden von Oleg abgeholt und es geht an den Strand (mit seiner wunderschönen & schwangeren Frau). Dort baden wir endlich im Pazifik und fahren einige wilde Runden mit einem Jetski - allerdings finden unsere Mägen das nicht so lustig und wir sind immer noch sehr wackelig auf den Beinen. Und für einen kapitalen Sonnenbrand reichts  natürlich auch. Gegen Abend treffen dann die anderen Freunde von Sergej und Oleg wieder ein, wir bekommen im Club wieder was zu essen (Suppe & Cola), dann geht es zum Bilder schauen zu Oleg  nach Hause. Er ist letztes Jahr mit dem Jeep von Vladivostok nach Monte Carlo gefahren. Um 23:00 fahren wir in eine private Banja. Eigentlich schon völlig am Ende, werden wir nach zwei sehr heißen Saunagängen ins Eingangszimmer zur Auswahl gebeten...

 Heute steht die Instandsetzung der KTM an und heute Abend wohl wieder ein Ausflug mit Sergej, Oleg  und Konsorten. Morgen geht's dann im Konvoi zum Bikertreffen. Hier laesst sich's leben!


21. August 2003

habe mich gerade nach einem 14 stündigen  Schönheitsschlaf wieder unter die Lebenden begeben und fühle mich prächtig. Die Haut pellt sich und meine Frisur ist auch fast wieder normal...

Was passiert hier so am anderen Ende des Kontinents? Eine Menge!!!!!!

Achim und Susi sind dann im Laufe der Woche auch in Vostok eingetroffen, allerdings auf einem Motorrad. Die BMW folgte im LKW einen Tag später und noch immer versuchen die beiden mit vereinten Kräften die Kleine BMW wieder zum laufen zu bringen. Die Ersatzteile kommen aus München, aber sicher ist sich wohl keiner ob die neuen Teile helfen werden. Ich für meinen Teil hätte die Kleine längst in einer Kiste zurück nach Deutschland geschickt und sie dort überholen lassen - aber jeder wie er will. Die beiden wohnen bei den "Iron Tigers" und scheinen sich dort auch ganz wohl zu fühlen. Wir haben nur noch sehr wenig Kontakt, da wir hier in einem anderen Umfeld leben, in das die beiden auch nur schwer hineinpassen würden. Das hat ein kurzer Kontakt mit unseren Gastgebern gezeigt. Ist auch ok so, wir haben die Tour zusammen beendet und jetzt kann jeder wieder schauen wie es für ihn weitergeht.

Wir (Benito und ich) haben hier volles Programm. Am Donnerstag waren wir nachmittags beim Speedway der Junioren - da ging's heftigst zur Sache. Genial. Natürlich wurde da auch wieder Vodka  mit Apfelsaft getrunken und der Abend endete dann bei einer spontanen Party im Freien, bei der sich wie immer unsere ganze Truppe zusammenfand. Der Haufen hier ist super lustig und immer sind ein paar neue Gesichter mit dabei. Ein paar können ein bisschen Englisch, aber unser Russisch wird auch immer besser... Freitag ging's dann mit Oleg Richtung Nachotka, dem Ort des Treffens. Die 200km Fahrt führten uns durch wunderschöne bewaldete (Taiga) Hügel und wir hatten Spaß, endlich wieder auf den Mopeds zu sitzen und ein paar saftige Kurven reißen zu können. Unterwegs wurde noch kräftig eingekauft und ich frage mich immer noch, wie die Einkäufe noch in Olegs völlig vollgestopften  Pajero gepasst haben. Unterwegs haben wir wieder ein paar aus der Truppe getroffen und bald sind wir am Strand angekommen. Sinus begrüßte uns herzlich und sofort waren wir von einer Traube Menschen umringt. Fotos, Interviews, Fotos, Autogramme - hey, bin ich doch Robby Williams? Oleg hatte in der

Zwischenzeit einen Platz für uns ausgemacht und wir bauten unsere Zelte auf. Schon stand ein großer Tisch im Sand und die  Kocher surrten. Gerne half ich den 3 süßen Mädels beim Kartoffelschälen...später machte ich eine Runde durchs ganze Camp, traf kurz Achim und Susi und auch die beiden anderen Deutschen, die sich via Mail bei mir gemeldet hatten. Es sollte meine einzige Runde durchs Camp bleiben - wir hatten genug Spaß mit unserer Truppe. Um 18:00 gab's die offizielle Eröffnung der Party mit Rockmusik und lautem Motorendröhnen... Wir saßen noch lange um den großen Tisch, tranken (was auch sonst) hatten leckeres Essen und genossen den wundervollen Ort mit Strand, Meer und Sternenhimmel und die vielen neuen Freunde die wir hier gefunden haben. Das Aufstehen am nächsten Morgen viel schwer und erst ein Bad im kühlen Pazifik und ein handfestes Frühstück konnten die Lebensgeister wecken. Der Tag trödelte völlig entspannt dahin, ein kleiner Besuch beim Motocross um die Ecke, kleine Touren mit Oleg oder Oleg alleine mit der BMW (und nur er durfte sie fahren), später wurde unser Haufen noch größer und wir starteten eine Runde Beachvolleyball. Gegen Abend machte ich mit Nastia eine Runde mit dem Motorrad, die hätte ewig dauern können - sie genoss das Fahren, ich ihr Nähe...die russischen Frauen...dieser Tour folgte dann später noch ein abendlicher Spaziergang am Strand...um 18:30 war Bikeshow in Nachotka angesagt - Oleg wollte unbedingt bei Benito oder mir mitfahren, wir hatten uns aber für die Mädels entschieden - der Arme musste im Camp bleiben und kochen ;-))) Bei der Show gab's einen Unfall, als einer die Kontrolle über sein Bike verlor und das Bike ein Kind traf, das an den Folgen des Unfalls später verstarb (Was wir erst später in Vostok erfahren haben). Zurück ging's in einem Motorradkorso mit über 250 Bikes - Sinus voraus - das war einfach nur genial!!!!!!! Ich fuhr mit Nastia  über den Strand zurück - ist genial mit dem Moped durch die Wellen zu fahren... Einem gemütlichen Abend, an dem wir den Orden für die längste Anreise erhielten, folgte ein entspannter Sonntag morgen mit leckerem Mittagessen und gemütlichem Aufbruch. Leider ging bei meiner Kleinen kurz hinter Nachotka die Öllampe an. Öl war genug drin, also ein anderes Problem. Ich stellte fest, dass der Stecker des Sensors etwas abgezogen war und vermutete, dass das Salzwasser von gestern seinen Weg an den Kontakt gefunden hat, da ich keine anderen Indikatoren feststellen konnte - Motortemperatur ok, Öltemperatur ok, Ölbewegung vorhanden. Wir fuhren weiter, aber mit einem sehr dummen Gefühl im Magen. Da wir aber nach über einer  Stunde keinen Pick-up anhalten konnten für den Rücktransport wagte ich es und fuhr den Rest der Strecke auch noch. Ohne Probleme. Es gab einen heftigen Stau, für dessen Umfahrung ich den heftigsten Offroadteil der kompletten Tour wagte - ich fuhr einfach 2 Jungs auf einem kleinen 250 Crosser hinterher...gut wieder angekommen gab's Essen, DUSCHEN und schlafen.

Heute gehe ich einkaufen und werde als kleines Dankeschön für die ganze Truppe kochen Kräutercremesuppe, Züricher Geschnetzeltes mit handgemachten Spätzle und weißes und braunes Mousse au chocolat...

Im Laufe der Woche werden wir die Mopeds wieder auf Vordermann bringen und sie dann, mit Sergejs Hilfe, nach Moskau schicken (via Zug). Sobald die Mopeds dort sind, fliegen wir hinterher und für mich geht's dann nach St. Petersburg und von dort via Schiff nach Rostock und Benito will via Ukraine wieder nach Hause fahren. Wir werden also noch etwa 10-14 Tage hier verweilen und ich werde Anfang September wieder im Lande sein.


26. August 2003

Eigentlich wollte ich mich ja die nächsten Tage nicht melden, aber diese Woche war schon wieder so viel los, dass ich Euch das dann doch nicht vorenthalten möchte... ich hoffe es langweilt nicht ;-)))

 Tja, Montag erst den ganzen Morgen einkaufen - was hier gar nicht so einfach ist, denn einen Großmarkt gibt es hier nicht. Dafür darf man alles anfassen und probieren. Und dann den ganzen Nachmittag in der Küche gewerkelt. Die Küche des Restaurants ist übrigens genauso eingerichtet wie die bei mir zu Hause d.h. normaler Herd usw. Viel größer war sie auch nicht und immer voll mit Neugierigen Mitarbeiterinnen des Clubs und natürlich  Oleg, der schon vom Zuschauen Schweiß auf der Stirn hatte. Irgendwann waren die 2 Kilo Spätzle dann auch geschabt und es ging zum gemütlichen Teil ueber...(das Essen ist übrigens so gut angekommen, dass das nächste Woche wiederholt wird - mit anderem Menue natürlich..) Vodka und Banja. Dienstag stand dann wieder Jetski auf dem Programm, diesmal war sogar Nastia und ihre Freundin dabei. Ich war den ganzen Nachmittag mit den Mädels alleine, da Benito mit Oleg und Natascha die Ersatzteile am Flughafen ausgelöst hat (für 7000 Rubel Zoll). Habe mich dann, übermütig wie Mann eben manchmal ist, auch noch kräftig vom Jetski auf einen Felsen fallen lassen - naja, Frauen finden Blessuren ja sexy (habe ich mir sagen lassen). Zum Duschen fuhren wir dann zu Olegs Mutter, die etwas außerhalb wohnt, da es in der Stadt mal wieder nur heißes Wasser gab. Abends bin ich dann noch ein bisschen mit Nastia durch die Stadt gebummelt - ist schon genial hier, eine Stadt direkt am Pazifik, mit kleinem Strand mittendrin... *schwärm* Und eigentlich wollten wir dann am Mittwoch unsere Motorräder pflegen und hegen, aber Oleg hatte Anderes mit uns vor: Jagen war angesagt. Nachmittags ging's los, ca. 250km Richtung Norden zum größten See in der Region (60km Durchmesser) und direkt an die Chinesische Grenze, die wir natürlich auch besichtigt haben (da sind bei Benito "Ossi" Erinnerungen wach geworden, so einen Grenzstreifen kennt er nur zu gut). Nebenbei erfuhren wir dann, das der Ausflug mit Übernachtung ist... Kaum angekommen wurde die Schrotflinte (Halbautomatisch) geladen und wir fuhren über eine Landstrasse. Plötzlich laufen zwei Fasane über die Strasse, Oleg hält an, nimmt die Flinte, die die ganze Zeit schon entsichert neben uns stand und feuert über den Bauch seiner Hochschwangeren Frau hinweg zweimal aus dem Beifahrerfenster... noch Fragen? Letztendlich sind wir mit einem Fasan nach Hause gekommen. Nachts ging's dann mit starker Lampe auf Rehjagd, aber leider haben wir keine gesehen - ich hätte zu gerne mit dem russischen Scharfschützengewehr neuester Bauart inkl. Leuchtvisier ein Rehchen geschossen... egal, nachts um 2 wieder zurück zu der Wohnung der Freunde, die Banja ist schon angeheizt und wir lassen den Abend gemütlich ausklingen.

Zum Thema Banja - auf dem Land ist Banja eine Holzhütte mit Ofen, der gleichzeitig für heißes Wasser sorgt. In dieser Hütte wäscht man sich dann und entspannt ein bisschen.

Heute ging's dann erst an den See zum Baden und dann die 250km wieder zurück...unglaublich, an jeder Polizeistation kennt Oleg  den Chef....also keine Probleme, auch nicht mit der Artillerie im Kofferraum. Nachher werde ich mit Nastia noch ins Kino gehen und morgen fahren wir für 3 Tage wieder an einen Strand, d.h. eigentlich das gleiche Programm wie letztes Wochenende nur statt Bikeshow Beachvolleyballturnier... Ihr seht, mir geht's verdammt gut hier ...


04. September 2003

Tja, dies ist der letzte Bericht aus Russland... gestern habe ich die Tickets für Benito und mich gekauft. Am Dienstag um 09:00 fliegen wir mit einer Tupolev nach Khrasnojarsk, haben dort 3 Stunden Aufenthalt und dann geht's wieder mit einem Seelenverkäufer weiter nach Moskau. Diese Variante ist fast 5000 Rubel günstiger als der Direktflug mit Aeroflot. Generell sind die Tickets hier fast doppelt so teuer als wenn wir sie in Deutschland gekauft hätten - aber wer konnte das schon ahnen. Egal. In Moskau hoffen wir dann, dass wir noch am gleichen Tag unsere Mopeds aus dem Zug bekommen und dann noch ein paar Kilometerchen reißen können (Dank Zeitverschiebung hat dieser Tag 31 Stunden...) - lassen wir uns überraschen. Dann wollen wir noch hoffen, dass wir gut über den Zoll kommen - ich rechne mit meiner Ankunft in Deutschland zwischen dem 13. und 15...

Aber jetzt noch ein bisschen was aus Vladivostok... heute morgen kam ein sehr erlösendes Geräusch aus dem Badezimmer: WASSER. Die letzten 4 Tagen gab es gar Keines und es war drückend  heiß. Seit heute gibt es eine Regelung - es gibt jeden 2. Tag Wasser von 06:00 - 10:00 morgens - wenn man Glück hat. Wir hatten Glück!

Benito ist mit Oleg zwei Tage zum Angeln gefahren, ich verbringe fast jede freie Minute mit Nastia - logisch, oder? Oleg ist richtig eifersüchtig auf sie - er benimmt sich, als ob sein "Spielkamerad" jetzt was besseres zu tun hätte...hat  er ja auch *grins* Heute fahren wir gemütlich noch mal an den Strand, morgen fahren wir für zwei Tage mit Oleg und Freunden nach Nachotka, dort findet ein Billard Tournier statt, an dem Oleg spielen muss. Wir müssen außerdem dort hin, da Nastia dort vor 3 Wochen ihren Führerschein abgeben durfte, da sie über eine durchgezogene Linie gefahren war. Dank Olegs Kontakten wird das nun nicht ganz so teuer... Sonntag machen wir uns einen gemütlichen, Montag muss Nastia wieder arbeiten und ich werde im Millenium  noch mal für die ganze Bande kochen - als Dankeschön für alles und zum Abschied. Hoffentlich wird der Abend nicht so lange, da wir um 07:00 schon einchecken müßen und der Flughafen eine halbe Stunde von der Stadt weg ist und ich hasse es betrunken fliegen zu müßen...

Ihr seht, die Tage sind ausgefuellt und ich will gar nicht  ans Abschiednehmen denken...


14. September 2003

 nun bin ich wieder zu Hause und der Alltag versucht mich wieder in die Gewalt zu bekommen (noch wehre ich mich standhaft)...

Nach einem schweren und tränenreichen Abschied ging's am Dienstag morgen um 06:00 mit Sergej an den Flughafen, wo auch Natascha und Oleg noch mal auf uns warteten. Beim Einchecken sollen wir Übergepäck bezahlen, also lasse ich spontan mein Zelt in Vostok. Habe eh die Schnauze voll vom Zelten - bin ich einfach zu alt für ;-). Nach 10 Minuten Diskussion im Polizeibüro ist auch mein Messer im Gepäck ok und wir können in den Flieger steigen. Mit einer Tupolev geht's nach Krasnojarsk, auf dem Flug gibt es leckeres und reichhaltiges Essen und wir gewinnen 5 Stunden Zeit. Sehr praktisch, allerdings haben wir für den Weiterflug dann auch gleich wieder eine Stunde Verspätung. Die Zeit verbringen wir mit etwas zu trinken und einer Dose Kaviar, die wir von Sergej zum Abschied bekommen haben. Weiter geht's mit einer Illjuschin. Was für ein Flugzeug! Tapeten an der Wand und eine Deckenhöhe, da fühlt man sich wie in einem weiträumigen Salon. Leider sind die Sitze etwas eng. Wir gewinnen wieder 2 Stunden Zeit und werden in Moskau von Freunden unserer Freunde abgeholt. Mit den Beiden fahren wir gut eine Stunde durch die Stadt und landen schließlich vor dem Wagon mit unseren Motorrädern. Das hätten wir NIE alleine gefunden. Wir reißen die Holzverkleidung von den Mopeds und laden sie, mit Hilfe diverser Bahnarbeiter, aus dem Wagon. Aufpacken, tanken und nix wie raus aus der Stadt. Dank Zeitverschiebung fahren wir noch 1 Stunde in den eiskalten Sonnenuntergang und finden schließlich völlig  durchgefroren eine Gastinitza, in der uns sogar noch die Banja angeheizt wird.

Am nächsten Morgen geht's früh weiter und gegen Mittag erreichen wir die russisch-lettische Grenze. Der Übertritt ist, dank der verlängerten Papiere, keine Problem und schon bald fahren wir grinsend die ersten Kurven auf der lettischen Hauptstrasse. Ziel für den Tag ist ein Hotel, indem wir auf der Hinfahrt schon gewohnt haben. Wir erreichen es und fallen nach einem schnellen Abendessen tot müde um 19:00 in's Bett. Dafür sind wir früh wach und fahren dem Sonnenaufgang davon. Schnell sind wir in Litauen und einige Stunden später auch in Polen. Leider wird gegen Abend das Wetter etwas schlechter und mein defekter Öldruckschalter tropft nicht mehr, er spritzt Öl nach außen. Öl habe ich dabei, kein Problem, nur spritzt das Öl auf den Hinterreifen, was mir dann bei einsetzendem Regen zum Verhängnis wird. Benito bremst, ich auch, mein Hinterrad schmiert ab und ich lege mich butterweich mit meiner kleinen F auf die Strasse. Zum Glück gerade kein Verkehr, alles geht gut, ein Kratzer auf der Hose, eine abgeschabte Ecke am Koffer - das war es. Wir ziehen die Regenkombi an und fahren weiter. Als der Verkehr vor Warschau zunimmt und die Dämmerung einsetzt suchen wir ein Hotel und finden auch wieder eines mit Sauna - was will man mehr?

Morgens um 07:00 geht's weiter. Das Fahren im flexiblen polnischen Verkehr macht Laune. Da wird Platz gemacht zum Überholen - da sollten sich die sturen Autofahrer in D mal was abschauen! Plötzlich ein heftiger Schlag, der Motor ist aus, ich breche mein LKW-Überholmanöver ab und rolle an den Strassenrand. Mist. Kette ab? Nein, nur runtergesprungen. Also Kette wieder drauf, die verbogenen Teile wieder hinbiegen und langsam weiter. Die Kette ist leicht gedreht und hat einen heftigen Schlag, also langsam fahren. Außerdem hatte mein Schutzengel nun wirklich eine Pause verdient. Ich will nur noch nach Hause – Benito geht es genauso, er verliert  alle 100km eine Speiche, da die Russen beim Aufspeichen wohl auch nicht sauber gearbeitet haben. Und so trennen wir uns hinter Berlin - Benito Richtung Treffurt und ich weiter nach Düsseldorf, das ich gegen 23:30 nach 1165km auch erreiche. Ein Anruf bei meiner Nastia in Vladivostok und dann geht's in's Bett.

Mein Moped steht noch beladen in der Garage... ich bin zwar anwesend aber noch nicht hier! Ich will zurück, wieder in dieses wunderschöne, endlose Land der unbegrenzten Möglichkeiten und ich will zu meiner geliebten Nastia...


PS.: Das Losfahren ist das Schwerste!

 

Kleiner Nachtrag: Mit Ferienlieben ist es wie mit dem Urlaubswein - zu Hause schmeckt er einfach nicht...!

 

Ich möchte ausdrücklich darauf hinweisen, dass die Berichte und Bilder NUR und AUSSCHLIESSLICH meine Sicht der Erlebnisse darstellt!