TOUR D'AMOUR

Kaum hat man sich an das gemeinsame Reisen gewöhnt, ist es unerträglich wenn nur Einer alleine unterwegs ist. Hört man dann von unterwegs auch noch haarsträubende Geschichten, dann ist es an der Zeit für einen Mann zu tun, was ein Mann eben tun muss: Alles stehen und liegen lassen und sich auf dem schnellsten Weg auf den Weg zu seiner Liebsten machen - auch wenn die sich gerade auf der Rückfahrt von Marokko befindet.... 


Als sich Corinna Mitte Oktober mit meiner R 1200 GS mit drei vermeintlichen Freunden auf den Weg machte um Marokko zu erkunden, war mir nicht ganz klar, was das bedeuten würde. Schon bald merkte ich, dass das Alleinesein nicht so wirklich Spaß machte! Zudem hatte Corinna Dank der Unterstützung von T-MOBILE ein MDA compact mit dabei, sodass sie nicht nur mit dem Ding navigieren sondern auch mit mir kommunizieren konnte. Was sich da in Form von SMS Nachrichten und abendlichen Telefonaten darstellte, ließ mir die Haare zu Berge stehen. Scheinbar jeden Abend gab es endlose Diskussionen über den Fortgang der Reise, zwei der Herren hatten in Spanien schon mal Diesel getankt, beim ersten Pistenkontakt gab es den ersten zerlegten Koffer, eine Diskussion jagte die Andere, manchmal wurde auch gebrüllt, auf der Piste wurde dann plötzlich von jegliche Absprache über Bord geworfen und wild durch die Gegend äh Wüste geballert.... die ersten Schäden liessen nicht lange auf sich warten und das Chaos auf der Piste und in der Gruppe schmälerte den Urlaubsgenuss von Corinna doch stark. Zum Glück trifft man ja auf den Pisten der Welt immer noch andere Gleichgesinnte, so dass ein bisschen Erholung von der Gruppe möglich war. 

So manche Herausforderung meisterte Corinna (neben dem Ruhig bleiben bei den chaotischen Mitfahrern) aber doch mit Bravour - so ist es kein Zuckerschlecken, mit der dicken GS durch die Wüste und über extrem steile und steinige Pisten zu steuern. Sie hat es mit weniger Schäden geschafft, als ich gemeinhin auf meinen Fahrten produziere (und die GS lief wie gewohnt wie ein Uhrwerk!)... naja, nach zwei Wochen hatte ich die Faxen von den wilden Erzählungen dicke und musste einfach zu ihr fahren. Da sowieso einige neue Prototypen zum Test anstanden, musste ich nicht lange überlegen. Samstag Nachmittag ging es los Richtung Corinna, die sich zur gleichen Zeit schon in Richtung Fährhafen in Tanger bewegte. Schnell rächte sich, dass ich aus vermeintlichen Zeitgründen keine Handprotektoren montiert hatte. Da wurde es dann trotz der Neoprenhandschuhen sau kalt an den Pfoten. Nach einer schnellen Übernachtung bei Beaune meldete sich Corinna und teilte mit, dass sie die Nachmittagsfähre nehmen werden und sie sich dann von der Gruppe absetzen wird und wir uns irgendwo in der Mitte Spaniens treffen könnten. Ich kratzte also den Nachfrost von der GS, füllte die Tanks bis zur Oberkante mit Sprit und gab mächtig Gas. Der Sportauspuff macht seinem Namen alle Ehre und ein sehr sportliches Geräusch sorgte für eine freie Überholspur. In Spanien wurde es dann sogar noch wärmer und ich konnte bis zum Einbruch der Dunkelheit gute 1200km absolvieren. Direkt an der Küste, südlich von Valencia, finde ich ein nettes Hostel, SMSe Corinna die Coordinaten und während ich noch über meiner Paella sitze, höre ich schon im Dunkeln das bekannte dumpfe Bollern “meiner” GS, als auch schon Corinna mit voller Beleuchtung um die Ecke biegt. ENDLICH wieder zusammen - nun kann der Urlaub ja beginnen!

Nach einem Tag Pause fahren wir auf der genialsten Strasse nach Aras, wo auch BMW seinen Enduropark unterhält. Null Verkehr, Sonne, blauer Himmel, griffiger Asphalt, Bergauf, Bergab, eine Kurve nach der Anderen - mein Gesicht schmerzt vom Grinsen - wir lassen es gemütlich angehen und geniessen neben der Kurvenhatz die wunderschöne, schroffe Landschaft. In Aras werden wir von den Endurotrainingsteilnehmern umlagert und sitzen noch lange im Restaurant bei einigen Serveza... Ein blöder Sturm hat über Nacht die Sonne vertrieben und sorgt für kalten, eissigen Wind und diverse Regenschauer. Egal, wir satteln die Bikes und machen uns weiter auf in’s Hinterland. Plötzlich stehen wir vor einer Kreuzung - links Schotter, geradeaus Schotter - Manche Entscheidungen fallen echt schwer ;-) Und ab geht es auf die ganz legale Piste. Hier könnte man es echt aushalten! Der eissige Wind bläst uns irgendwann zurück auf die Hauptstrasse und als wir bei einem kurzen Abstecher vor verschneiten Hügeln stehen fällt die Wahl nach einer Kaffee- und Aufwärmpause doch wieder auf die Hauptstrasse. In Teguel kommen wir unter und sehen im Fernsehen die Bilder vom Schneechaos in Madrid - knappe 150km von uns entfernt. Glück gehabt. Am nächsten Morgen melden Sich die Jungs von der Marokko Truppe, die nun - wegen des schlechten Wetters - gerne einen Tag früher nach Hause wollen. Ohne uns - wir haben schließlich Urlaub! Gemütlich geht es durch eine wunderschöne Landschaft zurück an die Küste, wo wir uns ein schönes Landhaus und noch mal ein echtes Spanisches Essen mit Vino Tinto und Crema Catalan als Dessert gönnen. Und siehe da, am nächsten Morgen scheint die Sonne und nach den üblichen Einkaufstops und noch mal Volltanken machen wir uns auf in Richtung Moux (Frankreich), wo der Rest der Marokko Truppe schon übelgelaunt auf uns wartet und wir dann die Bikes verladen. Zurück geht es mit Bike-in-a-box. In entspannter Fahrt werden wir so zurück nach Deutschland gebracht, dass wir nach 19 Stunden Fahrt bei schlechtem Wetter erreichen.

So macht Urlaub, Liebe & Testen Spaß! - Eh klar, die Planung für die nächsten Touren laufen......

Den ausführlichen Marokko Bericht von Corinna mit einer Menge Bilder findet ihr unter www.cowrinna.de - das dürft ihr euch nicht entgehen lassen!