SEEALPEN TOUR 2010


Wie das Eis im Cocktailglas, so schmolzen meine Urlaubstage dahin und noch immer konnte ich mich nicht zu einer Tour aufraffen...

 

Aber dann, letzte Woche, fällt die Entscheidung - die Seealpen sollen es ein. Sie bieten den perfekten Mix aus On/Offroad, genau das was ich zur Entspannung jetzt brauche. Da sich Corinna bei einem Reitunfall die Hand schwer verletzt hat, muss ich alleine los - bei Regen natürlich. Von meinem Kollegen Jo noch schnell ein paar Tracks ins Navi geladen und gegen Mittag packe ich mich dann mit meiner "Kleinen" G650X auf die Autobahn gen Süden.

 

Bei wechselndem Wetter aber sehr entspannter Fahrt erreiche ich den Lac Leman und bald stecke ich im heftigen Regenschauer auf der Strecke nach Chamonix. Also, nix wie durch den Tunnel, auf der anderen Seite sollte das Wetter ja dann besser sein. 22,50 Euro für den Tunnel gelatzt und ab durch die Mitte des Mont Blanc. Leider ist es dann nix mit dem besseren Wetter auf der anderen Seite und es kommt sogar noch schlimmer: Auf dem kleinen Sankt Bernhard stecke ich dichtem Nebel (Sichtweite ca. 1 Meter), heftigem Regen und als Zugabe einem kräftigen Gewitter. Im Schritttempo geht es die Kurven und Serpentinen runter - wenn ich jetzt geradeaus fahre findet mich kein Mensch. Zwischendurch motivieren mich immer mal wieder ein paar Sonnenstrahlen, aber kurz vor Val d'Isère hat mich der Regen dann soweit - es ist genug für heute. Schnell finde ich ein nettes Hotel, hänge die tropfenden Klamotten über die Heizung und lasse mich von den kulinarischen Genüssen und einigen Bierchen verwöhnen.

 

Super, zum Frühstück gibt es neben frischen Baquette und Café au lait auch einen Platzregen und Gewitter. Egal, gepackt ist schnell und schon in Val d' Isère scheint wieder die Sonne. Vor lauter Freude vergesse ich dann beim Tanken den Tankdeckel von meinem Zusatztank, was mir aber erst 100km später auffallen wird... Nun folgen Pässe, Kurven und Kehren ohne Ende und schon stecke ich auf dem ersten Track meines Kollegen Jo - feinstes Offroad bei besser werdendem Wetter. Dann wieder Asphalt auf kleinsten Straßen, kein Verkehr und Kurven, Kurven, Kurven. Der Col d' Iseron entlockt mir schon im unteren Asphaltteil einen Jauchzer nach dem anderen, auf dem Schotterteil wird es noch genialer, dann die Assiette und die Hochstraße, nicht schwierig zu fahren, aber man kann's schön flott angehen lassen. Vor dem Col d' Izoar noch ein knackiger Offroadabstecher nach Links - sehr, sehr lecker. Leider sind am Col d' Iz alle Betten belegt also geht es noch zwei Pässe weiter bis in's Tal nach Vars. Auch dort wartet schon ein leckeres 4-Gänge Menü auf mich.

 

Sonne zum Frühstück, das ist neu! Nix wie gepackt und los, heute steht die Ligurische an, die aber laut Navi noch ca. 200km weg ist. Leider will mein lieber Navi dann mitten im Skigebiet auf einen Wanderweg abbiegen und das ist Samstags bei geschlossener Schranke ein absolutes "No-Go". Der Navi ziert sich nicht lange und wartet mit dem nächsten Abzweig auf: Nach einem gut 20km langen Stich in ein Tal, will er wiederum auf einem Wanderweg weiter, aber auch der ist Samstag zu. Nun folgen Kurven, Kurven, Kurven und hin und wieder eine kleinere "Diskussion" mit dem Navi aber nachmittags um 4 stehe ich grinsend in Tende. Die Passstraße ist vor dem Tunnel ein Stau in 6 Serpentinen - der Tunnel ist zu. Mir egal, ich muss eh links auf den Schotter. Die engen, ziemlich ausgefahrenen Serpentinen wollen dort einfach nicht aufhören - Grinsen macht sich breit. Auch als ich erst einen schwer kämpfenden RT Fahrer überhole und dann noch an zwei Autos vorbei muss, die sich mitten in einer Serpentine getroffen hatten. Aber alles Schöne ist irgendwann vorbei und ich stehe oben am Fort auf dem Tende. Auf geht's die Ligurische ruft!

Dank verwirrender Beschilderung biege ich irgendwann ab und lande nach diversen Schotterserpentinen mitten in einer Kuhherde. Der Bauer klärt mich auf, also wieder hoch den Berg und weiter nach rechts. Knackig, Knackig muss ich sagen, viel loses Geröll, große Steine dazwischen, links Felsen, rechts Abgrund(und umgekehrt) - macht mal so richtig Laune mit meiner kleinen BMW. Dann wird es ruhiger und geht zügig durch den Wald, ich lande in einer Ortschaft. Mmmmh, schon spät, besser doch direkt nach Pigna, wo Peter auf mich wartet. Navi ist deutlich: Luftlinie 28km, Route 88km - na dann los. Und schon greifen die treuen Heidenaus wieder auf Schotter, groben Schotter, weiter geht's durch einen Tunnel im Kamm, schön den Kamm entlang und durch den Wald wieder runter. Nun warten noch viele viele Kehren und Kurven auf Asphalt auf mich, bis ich bei untergehender Sonne an der Therme in Pigna auf Peter warte und erstmal mit einem Eis belohnt werde. Natürlich wird dieser Abend mit Pizza und einem leckeren Tinto beschlossen - es gibt viel zu erzählen.

 

So, heute fahren wir gemeinsam den Rest der Ligurischen und noch ein paar nette Straßen dazu. Bis wir loskommen ist es schon fast Mittag, aber egal, ist ja Urlaub. Kurven, Kurven, Kurven, leckeres Mittagessen unterwegs und dann der Einstieg zur Ligurischen. Moment, hier war ich schon?! Flott lassen wir es laufen und mit ziemlicher Verwunderung stelle ich fest, dass mich mein Navi gestern auf dem "direkten" Weg nach Pigna über die Ligurische geroutet hat (was er auf Ansage partout nicht machen wollte...) Peter und ich haben Spaß, viel Spaß! Wundern uns über ein Päärchen mit einer TDM und voller Beladung, denen kein Grinsen mehr zu entlocken ist und lassen unsere Maschinen einfach laufen. Was für eine Landschaft, was für Straßen und Wege, was für ein Tag!

 

Da es zu Hause noch ein paar Dinge zu erledigen gibt und ich die arme Corinna mit ihrer frisch genähten Hand auch nicht zu lange alleine lassen möchte, ruft die Heimat. Rauf auf die Autobahn und ab nach Hause. Immerhin schaffe ich es von Pigna bis Lindau in einem Rutsch und gerade bevor das Unwetter losbricht schiebe ich die Kleine G650 in die Garage des Hotels. Puh, Glück gehabt und darauf erstmal ein großes Bier.

 

Nun sitze ich wieder zuhause, die G650 braucht neue Reifen ;-) und eigentlich kann's gleich wieder losgehen!